Schwindel bei Hitze oder im Alltag: Wann sollten Beschwerden ärztlich abgeklärt werden?
PD Dr. med. Sarah Marti
17. Juli 2026
4 min
Ein kurzer Schwindelanfall beim Aufstehen, Benommenheit an einem heissen Sommertag oder ein plötzliches Unsicherheitsgefühl beim Gehen – Schwindel kann viele Gesichter haben und Betroffene häufig verunsichern. Während Hitze oder Flüssigkeitsmangel oft harmlose Auslöser sind, können auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder andere internistische Ursachen dahinterstecken. Erfahren Sie, wann Schwindel harmlos ist, welche Warnzeichen Sie ernst nehmen sollten und wie wir Sie bei der Abklärung unterstützen.
Warum kommt es bei Hitze häufig zu Schwindel?
An warmen Tagen erweitert der Körper die Blutgefässe, um überschüssige Wärme abzugeben. Gleichzeitig verliert er durch das Schwitzen Flüssigkeit und Elektrolyte. Wird dieser Verlust nicht ausreichend ausgeglichen, kann der Blutdruck sinken und das Gehirn vorübergehend weniger gut durchblutet werden – Schwindel ist eine häufige Folge.
Besonders anfällig für Kreislaufbeschwerden sind:
- ältere Menschen
- Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Menschen mit niedrigem Blutdruck
- Patientinnen und Patienten, die blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente einnehmen
Doch auch gesunde Menschen können bei grosser Hitze vorübergehend unter Schwindel leiden.
Schwindel ist nicht gleich Schwindel
Für die medizinische Abklärung ist entscheidend, wie sich der Schwindel anfühlt. Betroffene beschreiben ihre Beschwerden sehr unterschiedlich. Bereits die Art des Schwindels liefert wichtige Hinweise auf die mögliche Ursache.
- Drehschwindel: Die Umgebung scheint sich zu drehen. Häufig liegt die Ursache im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs.
- Schwankschwindel: Betroffene fühlen sich unsicher beim Stehen oder Gehen, als würden sie den Halt verlieren.
- Benommenheits- oder Kreislaufschwindel: Dabei entsteht ein Gefühl drohender Ohnmacht oder des «Schwarzwerdens vor den Augen», häufig im Zusammenhang mit Blutdruckschwankungen oder einer vorübergehend verminderten Durchblutung des Gehirns.
- Unspezifischer Schwindel: Ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit oder Benommenheit, das unterschiedliche Ursachen haben kann.
Nicht immer steckt eine Störung des Gleichgewichtsorgans hinter den Beschwerden. Gerade Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Flüssigkeitsmangel oder Nebenwirkungen von Medikamenten können sich zunächst durch Schwindel bemerkbar machen. Eine sorgfältige internistische Abklärung hilft dabei, die Ursache einzugrenzen und die passende Behandlung einzuleiten.
Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr ist nur eine von vielen möglichen Ursachen für Schwindel. Eine sorgfältige Abklärung schafft Klarheit.
Wann sollte Schwindel ärztlich abgeklärt werden?
Gelegentlicher Schwindel nach grosser Hitze oder beim schnellen Aufstehen ist meist unbedenklich. Treten die Beschwerden jedoch wiederholt auf, halten sie länger an oder schränken sie Betroffene im Alltag ein, empfiehlt sich eine ärztliche Untersuchung.
Eine rasche Abklärung ist besonders wichtig, wenn zusätzlich folgende Beschwerden auftreten:
- Ohnmacht oder Stürze
- Brustschmerzen, Herzrasen oder Atemnot
- Sprach-, Seh- oder Lähmungsstörungen
- plötzlich einsetzender, starker Schwindel ohne erkennbare Ursache
In diesen Fällen können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken, die rasch abgeklärt und behandelt werden sollten.
Wie erfolgt die Abklärung im Spital Zollikerberg?
An unserem Spital arbeiten internistische Spezialistinnen und Spezialisten sowie Neurologinnen und Neurologen eng zusammen, um die Ursache Ihrer Beschwerden umfassend abzuklären. Je nach Fragestellung erfolgt die Beurteilung interdisziplinär. Bei Bedarf werden weitere Fachdisziplinen hinzugezogen.
Zudem arbeiten wir eng mit erfahrenen Konsiliarärztinnen und Konsiliarärzten zusammen, die Patientinnen und Patienten in ihren eigenen Praxen betreuen. Dort erfolgen die individuelle Abklärung und Behandlung. Auf diese Weise können eine umfassende Diagnostik gewährleistet und eine auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Therapie eingeleitet werden.
Die Abklärung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Beschwerden, deren Verlauf sowie mögliche Auslöser. Ergänzt wird das Gespräch durch eine körperliche Untersuchung und – je nach Fragestellung – durch weitere diagnostische Untersuchungen wie Blutanalysen, Blutdruckmessungen, ein EKG oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens.
Was können Sie selbst tun?
Je nach Ursache des Schwindels können einfache Massnahmen helfen, Beschwerden vorzubeugen oder zu lindern. Bei Kreislaufbeschwerden – insbesondere an heissen Tagen – empfiehlt es sich:
- ausreichend zu trinken
- körperliche Anstrengungen möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen
- nach längerem Sitzen oder Liegen langsam aufzustehen
- Alkohol nur in Massen zu konsumieren und auf regelmässige Mahlzeiten zu achten
Bei bestimmten Schwindelformen können zudem gezielte Übungen helfen, die Stabilität zu verbessern und das Zusammenspiel von Gleichgewichtsorgan, Augen und Nervensystem zu fördern.
Hält der Schwindel an, tritt er wiederholt auf oder kommen weitere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung und kann dazu beitragen, die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Gezielte Übungen können bei bestimmten Schwindelformen die Stabilität verbessern und die Beschwerden lindern.
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