Die Schilddrüse im Fokus – Fakten zu den Funktionsstörungen
KD Dr. med. Gurpreet Anand
7. September 2023
10 min
Frau Anand, als Endokrinologin beschäftigen Sie sich mit den Erkrankungen der hormonproduzierenden Drüsen. Wozu braucht es die Schilddrüse?
Die Schilddrüse ist eine kleine, schmetterlingsförmige Drüse, die im vorderen Halsbereich vor dem Kehlkopf in der Halsmitte liegt. Die Schilddrüse produziert zwei Haupthormone, die für viele Körperfunktionen wichtig sind: 80 Prozent Thyroxin (T4) und 20 Prozent Trijodthyronin (T3). Diese Hormone werden aus Jod und Aminosäuren hergestellt. Thyroxin (T4) ist das inaktive Hormon, das in der Leber in das aktive Hormon Trijodthyronin (T3) umgewandelt wird. Im Blut zirkulieren die Hormone mehrheitlich in gebundener Form (T4 und T3). Die Menge der freien Hormone (fT3 und fT4) ist deutlich tiefer als die Menge der gebundenen Form T4 und T3. Die freien Hormone regulieren den Stoffwechsel, indem sie die Zellen anregen, Energie zu erzeugen. Sie wirken auch auf das Wachstum und die Entwicklung, das Herz-Kreislauf-System, das Nervensystem, die Fortpflanzung, die Knochen und das Immunsystem.
Worin besteht der Unterschied zwischen Über- und Unterfunktion der Schilddrüse (Hyper- bzw. Hypothyreose)?
- Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist eine Erkrankung, bei der die Schilddrüse zu viele Hormone produziert. Die Symptome sind: Nervosität, Herzklopfen, Gewichtsabnahme, Durchfall, Schwitzen, Zittern, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit.
- Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hingegen ist eine Erkrankung, bei der die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert. Die Symptome sind: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall und Konzentrationsprobleme.
Eine Schilddrüsenüberfunktion und eine Schilddrüsenunterfunktion können mit Medikamenten behandelt werden. In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion kann in bestimmten Fällen auch eine Radiojodtherapie als alternative Option in Frage kommen.
Kann die Schilddrüse schuld sein an starken Stimmungsschwankungen oder depressiven Verstimmungen?
Ja, eine Schilddrüsenerkrankung kann zu Stimmungsschwankungen und depressiven Verstimmungen führen. Die Schilddrüse produziert Hormone, die den Stoffwechsel, das Wachstum und die Entwicklung des Körpers regulieren. Wenn die Schilddrüse nicht richtig funktioniert, kann dies zu einer Vielzahl von Symptomen führen. Hier sind einige zusätzliche Informationen über die Auswirkungen einer Schilddrüsenerkrankung auf die Stimmung:
- Eine Schilddrüsenüberfunktion kann zu Nervosität, Angst, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen führen.
- Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu Müdigkeit, Trägheit, Konzentrationsproblemen, Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen führen.
Zudem kann eine Schilddrüsenerkrankung auch zu anderen Symptomen wie Gewichtszunahme oder -abnahme, Haarausfall, trockene Haut und Muskelschmerzen, führen.
Wenn Sie an einer Schilddrüsenerkrankung leiden oder die oben genannten Symptome bei sich feststellen, ist es wichtig, dass Sie sich von einem Arzt oder einer Ärztin abklären und behandeln lassen. Eine Behandlung der Schilddrüsenerkrankung kann die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.
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Wie sieht es nach der Schilddrüsenentfernung aus: Muss man dann mit einer Gewichtszunahme rechnen?
Nach einer Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie) kommt es häufig zu einer Gewichtszunahme. Das liegt daran, dass die Schilddrüse Hormone produziert, die den Stoffwechsel ankurbeln. Wenn die Schilddrüse entfernt wird, sinkt der Stoffwechsel und der Körper beginnt zuzunehmen.
Das Ausmass der Gewichtszunahme nach einer Thyreoidektomie ist von Person zu Person unterschiedlich. Manche Menschen nehmen nur ein paar Kilogramm zu, während andere bis zu 8 kg oder mehr zunehmen. Die Gewichtszunahme tritt in der Regel in den ersten Monaten nach der Operation auf und kann sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren fortsetzen.
Es gibt einige Dinge, die Sie tun können, um die Gewichtszunahme nach einer Thyreoidektomie zu verhindern oder zu verringern. Dazu gehören:
- Eine gesunde, abwechselreiche Ernährung mit Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, wenig Konsum von verarbeiteten Produkten
- Regelmässige Bewegung
- Einnahme von Schilddrüsenhormonen in der richtigen Dosierung
Wenn Sie nach einer Thyreoidektomie an Gewicht zunehmen, ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber sprechen. Sie können Ihnen helfen, die Ursache der Gewichtszunahme zu ermitteln und Massnahmen zu ergreifen, um sie zu beheben.
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Ich leide unter Haarausfall. Kann meine Schilddrüsenerkrankung daran schuld sein?
Haarausfall ist ein häufiges Symptom bei Schilddrüsenerkrankungen. Wenn die Schilddrüse nicht richtig funktioniert, kann dies zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter eben auch Haarausfall. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sollte alle störenden Symptome durch eine detaillierte Befragung erfassen.
Interessanterweise kann Haarausfall sowohl durch eine Überfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse verursacht werden. Eine Hyperthyreose kann Haarausfall auslösen, weil sie den Stoffwechsel ankurbelt. Dies kann dazu führen, dass die Haare schneller wachsen und ausfallen. Eine Hypothyreose kann ebenfalls Haarausfall verursachen, weil sie den Stoffwechsel verlangsamt. Dies kann dazu führen, dass die Haare dünner und brüchiger werden und leichter ausfallen.
Wenn Sie an Haarausfall leiden und vermuten, dass dies auf eine Schilddrüsenerkrankung zurückzuführen ist, sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufsuchen. Sie können die Funktion Ihrer Schilddrüse untersuchen und Ihnen bei Bedarf eine Behandlung verschreiben.
Hier sind einige zusätzliche Informationen über Schilddrüsenerkrankungen und Haarausfall:
- Haarausfall ist zwar ein häufiges Symptom bei Schilddrüsenerkrankungen, aber nicht alle Betroffenen leiden darunter.
- Der Schweregrad des Haarausfalls ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einige Menschen verlieren nur wenige Haare, während andere eine grosse Menge an Haaren verlieren.
- Der Haarausfall bei Schilddrüsenerkrankungen ist in der Regel reversibel. Wenn die Schilddrüsenerkrankung behandelt wird, wachsen die Haare üblicherweise wieder nach.
Hier noch einen wichtigen Hinweis zu Biotin (in vielen Medikamenten für Haarausfall enthalten): Falls Sie wegen Haarausfall Biotin einnehmen, kann Biotin die Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut beeinträchtigen. Es ist wichtig, dass Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darüber informieren, dass Sie Biotin einnehmen. Am besten ist es, die Einnahme von Biotin für 24 bis 48 Stunden vor einer Schilddrüsenabklärung zu unterbrechen.
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