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Ratgeber

Natürliche Hilfe bei Heuschnupfen

Dr. med. Teelke Beck

Dr. med. Teelke Beck

17. April 2026

lesezeit

6 min

Im Frühling und Sommer leidet eine Vielzahl von Menschen unter Heuschnupfen, einer allergischen Reaktion auf Pollen. In der Schweiz sind rund 20 Prozent der Bevölkerung von einer Pollenallergie betroffen. Während viele zu konventionellen Medikamenten greifen, suchen immer mehr Betroffene nach natürlichen und komplementären Therapiemöglichkeiten zur Linderung ihrer Symptome. Wir haben unsere leitende Ärztin Dr. med. Teelke Beck gefragt, welche komplementären Behandlungsansätze Linderung bringen können.

Dr. med. Teelke Beck, welche komplementärmedizinischen Ansätze empfehlen Sie zur Behandlung von Heuschnupfen?

Zur Behandlung von Heuschnupfen stehen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. In der Traditionellen Chinesischen Medizin kommen insbesondere Akupunktur und Kräutertherapie zum Einsatz. Die europäische Medizin nutzt vor allem die Phytotherapie, also die Behandlung mit pflanzlichen Wirkstoffen. Darüber hinaus bieten auch die Homöopathie sowie die anthroposophische Medizin verschiedene Präparate und Behandlungsansätze zur Linderung der Beschwerden an.

Wie wirkt Akupunktur bei Heuschnupfen und was können Patientinnen und Patienten von dieser Behandlung erwarten?

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das Abwehrsystem – auch Wei Qi genannt – dem Funktionskreis der Lunge zugeordnet. Eine geschwächte Abwehr gilt daher als Störung dieses Systems und wird häufig durch äussere Einflüsse wie zum Beispiel «Wind» begünstigt. Durch gezielt gesetzte, feine Akupunkturnadeln an spezifischen Punkten lässt sich das energetische Gleichgewicht regulieren und der Qi-Fluss harmonisieren. Während der Pollensaison steht die Behandlung vor allem im Zeichen der Symptomlinderung: Die Nasensekretion nimmt ab, und auch der Juckreiz der Augen wird spürbar reduziert. Ergänzend empfiehlt sich eine vorbeugende Akupunkturbehandlung im Winterhalbjahr, noch vor Beginn der Pollensaison. So kann das Immunsystem gestärkt werden, wodurch Beschwerden in der akuten Phase deutlich abgeschwächt werden oder im Idealfall ganz ausbleiben.

Akupunkturmodell mit markierten Punkten vor unscharfem Patienten im Hintergrund.

Welche pflanzlichen Heilmittel sind besonders effektiv gegen Heuschnupfen und gibt es wissenschaftliche Belege für deren Wirksamkeit? Gibt es bestimmte Kräuter oder Nahrungsergänzungsmittel, die besonders wirksam sind?

Der Extrakt aus den Blättern der Pestwurz hat sich als besonders wirksam bei Heuschnupfen erwiesen; seine Effektivität wurde auch in wissenschaftlichen Studien untersucht. Im Gegensatz zu manchen konventionellen Medikamenten verursacht diese pflanzliche Alternative in der Regel keine Müdigkeit. Zur Linderung von Augenbeschwerden werden zudem häufig Augentropfen mit Euphrasia eingesetzt. Auch Engelwurz findet in der Pflanzenheilkunde Anwendung. In der anthroposophischen Medizin wird darüber hinaus eine Kombination aus Zitrone und Quitte empfohlen. In der Homöopathie kann beispielsweise Allium cepa (Küchenzwiebel) bei typischen Augen- und Nasensymptomen unterstützend eingesetzt werden.

Neben Akupunktur und pflanzlichen Heilmitteln spielen Ernährung und Lebensstil eine wichtige Rolle. Welche Ernährungsempfehlungen geben Sie Ihren Patientinnen und Patienten, um Entzündungen zu reduzieren und das Immunsystem zu unterstützen?

Eine spezifische Ernährungsweise, die Heuschnupfensymptome direkt beseitigt, gibt es nicht. Dennoch kann eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung sowie ein gesunder Lebensstil das Immunsystem unterstützen und die Beschwerden indirekt positiv beeinflussen. Während Phasen starker Belastung empfiehlt es sich, auf scharfe Speisen und Alkohol möglichst zu verzichten. Unterstützend wirken zudem Vitamine – insbesondere Vitamin C – die in dieser Zeit vermehrt aufgenommen werden können. Auch Omega-3-Fettsäuren tragen zur Reduktion von Entzündungsprozessen bei und sollten ausreichend in die Ernährung integriert werden. Im Bereich der Mikronährstoffe können beispielsweise Zink und Selen entzündungshemmend wirken und in der akuten Phase gezielt ergänzt werden. Um die Pollenkonzentration im häuslichen Umfeld während der Hauptsaison zu reduzieren, sind einfache Massnahmen hilfreich: regelmässiges Stosslüften, Händewaschen nach dem Aufenthalt im Freien sowie das Wechseln der Kleidung.

Wie ergänzen sich diese komplementärmedizinischen Interventionen mit konventionellen Therapien?

In der konventionellen Medizin nimmt die Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung von Heuschnupfen ein. Ergänzend kommen Medikamente zum Einsatz, die die Wirkung von Histamin – einem zentralen Auslöser der Beschwerden – abschwächen. Diese Arzneimittel können jedoch Nebenwirkungen verursachen, insbesondere erhebliche Müdigkeit, die von vielen Patientinnen und Patienten als sehr belastend empfunden wird. Komplementärmedizinische Massnahmen können die konventionelle Medizin sehr gut ergänzen. So wird Akupunktur nicht nur zur Symptomlinderung eingesetzt, sondern kann auch vorbeugend wirken. Ähnlich wie die Hyposensibilisierung kann sie dazu beitragen, die Intensität der Beschwerden zu reduzieren und die Dauer der Pollensaison subjektiv zu verkürzen.

Frau im weißen Arztkittel lächelt vor unscharfem Naturhintergrund.

Wir danken Dr. med. Teelke Beck, leitende Ärztin unseres Brustzentrums und auch in unserer Praxis TCM Zollikerberg tätig, für die wertvollen Einblicke in die integrative und komplementäre Medizin bei Heuschnupfen. Sie verbindet die Ansätze der Schul- und Komplementärmedizin und bringt umfassende Erfahrung in beiden Bereichen mit ein. 

Wir hoffen, dass Ihnen dieser Beitrag hilfreiche Impulse im Umgang mit Heuschnupfen gibt und wünschen Ihnen eine möglichst beschwerdefreie Frühlingszeit.

Portraitfoto

Dr. med. Teelke Beck

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