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Ratgeber

Rotatorenmanschettenruptur: Alles, was Sie wissen müssen – Ein Interview mit Dr. med. Philemon Grimm aus der Klinik für Chirurgie des Spitals Zollikerberg

Dr. med. Philemon Grimm

Dr. med. Philemon Grimm

13. Mai 2026

lesezeit

5 min

Eine Rotatorenmanschettenruptur zählt zu den häufigen Ursachen für Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Doch wie entsteht ein Riss der Rotatorenmanschette, welche Beschwerden treten auf und wann ist eine Behandlung notwendig? In diesem Interview spricht Dr. med. Philemon Grimm über moderne Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Er erklärt, worauf Betroffene achten sollten, welche konservativen und operativen Therapien heute zur Anwendung kommen und wie sich die Schulterfunktion bestmöglich wiederherstellen lässt.

Was ist die Rotatorenmanschette und welche Aufgabe hat sie in der Schulter?

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Sehnen, die den Oberarmkopf umgeben. Sie übertragen die Kraft der zugehörigen Muskeln, die vom Schulterblatt zum Oberarmkopf ziehen. Dadurch werden Bewegungen wie das Heben, Drehen und Abspreizen des Arms ermöglicht. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass der Oberarmkopf bei Bewegungen in der Gelenkpfanne zentriert bleibt.

Wie entsteht eine Rotatorenmanschettenruptur – eher durch Verschleiss oder durch einen Unfall?

Häufig entsteht ein Riss der Rotatorenmanschette durch altersbedingten Verschleiss, sodass dann von einer degenerativen Ruptur gesprochen wird. Diese schleichende Abnützung wird durch ständiges Einklemmen der Sehne unter dem Schulterdach oder verminderte Durchblutung der Sehne begünstigt. Mit zunehmendem Alter werden die Sehnen anfälliger für solche Schäden, die sich dann mit der Zeit vergrössern können. Die Beschwerden entwickeln sich typischerweise schleichend über einen längeren Zeitraum.

Seltener kann eine Rotatorenmanschettenruptur auch plötzlich durch einen Unfall entstehen, etwa durch gewaltsames Verdrehen der Schulter nach einem Sturz auf den ausgestreckten Arm. Auch bei einer traumatischen Ruptur kann gerade in höherem Alter eine Vorschädigung der Sehne vorliegen.

Welche Beschwerden sind typisch, und woran merken Betroffene, dass mehr dahinterstecken könnte als eine einfache Schulterreizung?

Typisch sind Schmerzen in der Schulter, besonders beim Heben des Arms oder bei Überkopfbewegungen. Häufig treten auch nächtliche Schmerzen auf, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite. Einige Betroffene berichten zudem über einen Kraftverlust, eingeschränkte Beweglichkeit oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten wie Anziehen oder Haare kämmen.

Wann sollte man mit Schulterschmerzen ärztliche Hilfe suchen?

Wenn Beschwerden über längere Zeit anhalten oder eine Einschränkung der Schulterfunktion besteht – etwa Kraftverlust oder Bewegungseinschränkung –, ist eine genauere Abklärung empfohlen. Auch nach einem Unfall sollte die Schulter ärztlich untersucht werden, insbesondere wenn der Arm plötzlich nicht mehr richtig angehoben werden kann. Eine frühzeitige Diagnose hilft, Folgeschäden zu vermeiden und die geeignete Behandlung rechtzeitig einzuleiten.

Wie wird ein Riss der Rotatorenmanschette diagnostiziert?

Zentral ist eine genaue fachärztliche Untersuchung der Schulter. Dabei werden Beweglichkeit und Kraft getestet sowie der Schmerzfokus lokalisiert. Zusammen mit der Anamnese kann die Verdachtsdiagnose bereits eingegrenzt werden.

Ergänzend kommen idealerweise eine Magnetresonanztomografie (MRI / MRT), oder andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder eine CT-Arthrografie zum Einsatz. Diese Untersuchungen zeigen das Ausmass der Ruptur, was für die weitere Behandlung entscheidend ist.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es – wann kann konservativ vorgegangen werden und wann ist eine Operation sinnvoll?

Die Behandlung richtet sich nach Ausmass des Risses, den Beschwerden und den individuellen Ansprüchen der Betroffenen. Kleinere oder verschleissbedingte Risse können häufig erfolgreich konservativ behandelt werden, etwa mit Physiotherapie, Übungen, entzündungshemmenden Medikamenten oder gezielter Infiltration. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren und die Schulterfunktion zu verbessern.

Eine Operation wird dann empfohlen, wenn ein grösserer Riss vorliegt, ein relevanter Kraftverlust besteht oder die Beschwerden trotz konservativer Behandlung über einen längeren Zeitraum anhalten. Auch bei frischen Verletzungen nach einem Unfall kann eine operative Versorgung sinnvoll sein.

Wie wird eine solche Operation durchgeführt und wie gestaltet sich die weitere Behandlung? 

Der Eingriff erfolgt in der Regel minimalinvasiv in Schlüsselloch-Technik, also arthroskopisch. Hierbei werden über mehrere kleine Schnitte eine Videokamera und Arbeitsinstrumente in das Gelenk eingeführt, wodurch der Schaden an der Sehne detailliert beurteilt werden kann. Über spezielle Fadenankersysteme wird die Sehne wieder am knöchernen Ansatzpunkt am Oberarmkopf befestigt.

Nach dieser Operation ist eine Ruhigstellung notwendig, damit die Sehne am Knochen einheilen kann. In der Regel beträgt die Ruhigstellung sechs Wochen, wobei je nach rekonstruierter Sehne verschiedene Schienen verwendet werden. Dennoch kann in den meisten Fällen bereits nach wenigen Tagen mit der Physiotherapie begonnen werden.

Was können Betroffene selbst tun, um die Heilung zu unterstützen und die Schulterfunktion wieder zu verbessern?

Wichtig ist, die Schulter nicht dauerhaft zu schonen, sondern sie kontrolliert und gezielt zu bewegen. Physiotherapeutische Übungen helfen dabei, Beweglichkeit, Kraft und Stabilität wieder aufzubauen. Zudem sollten schmerzauslösende Belastungen vorübergehend reduziert werden.

Geduld und regelmässiges Training spielen eine entscheidende Rolle, da die Heilung der Sehnen Zeit benötigt. Rauchenden Patientinnen und Patienten wird zudem ein Nikotinstopp empfohlen, da der Nikotinkonsum aufgrund der gefässverengenden Wirkung die Sehnenheilung negativ beeinflusst.

Porträt eines lächelnden Arztes im weißen Kittel vor hellem, unscharfem Hintergrund.

Dr. med. Philemon Grimm

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